Olivenrückstände im Spritzguss – Silac testet neue biobasierte Rohstoffe

15/06/2026 Peter Birchler
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Kunststoff steht unter Druck. Die Industrie sucht nach Alternativen zu erdölbasierten Rohstoffen – und der regulatorische Druck durch die neue europäische Verpackungsverordnung PPWR verschärft die Situation zusätzlich. Für viele Hersteller wird der Einsatz von Rezyklaten damit vom Zukunftsthema zur konkreten Anforderung. Silac testet solche Alternativen nicht erst seit gestern.

Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmensentwicklung

Silac beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, welche Rohstoffe die Kunststoffindustrie langfristig tragen können. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell ein «nachhaltiges» Label zu setzen, sondern darum, Materialien zu finden, die im industriellen Alltag tatsächlich funktionieren.

Einen ersten grossen Schritt in diese Richtung machte Silac gemeinsam mit der ZHAW Life Sciences and Facility Management. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde geprüft, ob Lebensmittelabfälle – Kartoffelschalen, Molkenprotein oder Kaffeesatz – als Rohstoffbasis für die Kunststoffverarbeitung taugen. Die Vorstudie zeigte: Es ist möglich. Alle drei Nebenströme konnten erfolgreich zu Pellets compoundiert und im Spritzgussverfahren verarbeitet werden.

Weitere Schritte folgten: Ocean Plastic wurde im Produktionsalltag getestet, Biokunststoffe weiterentwickelt. Jedes dieser Projekte hat Silac technisches Know-how eingebracht – und die Überzeugung gestärkt, dass nachhaltige Rohstoffe keine Kompromisslösung sind, sondern eine echte Entwicklungsaufgabe.

Neue Partnerschaft: Kuori mit «Biowa Olive»

Biowa Pellets von Kuori

Foto: Biowa Olive Pellets von Kuori

Heute arbeitet Silac mit der Schweizer Firma Kuori zusammen. Kuori entwickelt nachhaltige Granulate aus Lebensmittel-Nebenströmen und anderen biobasierten Rohstoffen – ein Ansatz, der gut zur bisherigen Forschungsarbeit von Silac passt.

Aktuell läuft ein erster Praxistest mit dem Material «Biowa Olive». Das Granulat basiert unter anderem auf Reststoffen aus der Olivenproduktion – also auf einem Nebenprodukt, das sonst kaum genutzt wird. Aus diesem Material entstehen bei Silac derzeit erste Türstopper. Parallel dazu werden Prozessparameter, Werkzeugverhalten und Maschinensettings getestet und schrittweise optimiert.

Neues Projekt: Spritzgussteile aus Papier

Model Paper Pearls
Foto: Model Paper-Pearls

Ebenfalls im Test ist «Paper-Pearls» – ein Werkstoff der Schweizer Firma Model AG. Das Granulat basiert auf hochgradig gefüllten Papierfasergemischen und kommt ohne Kunststoff aus. Was auf den ersten Blick überrascht: «Paper-Pearls» lässt sich auf Standard-Spritzgussmaschinen verarbeiten – also ohne Spezialtechnik. Nach Gebrauch ist das Material vollständig in den Papierkreislauf rückführbar. Bei Silac entstehen daraus derzeit erste Tubenpresser, die im Produktionsalltag getestet werden.

Silac verfolgt damit bewusst mehrere Materialwege parallel. Nicht jedes Material wird sich für jeden Anwendungsfall durchsetzen – aber nur wer verschiedene Ansätze praktisch erprobt, weiss am Ende, welcher funktioniert. Doch so vielversprechend neue Materialien auch sind – ihre Verarbeitung stellt die Produktion vor ganz konkrete Herausforderungen

Warum Rezyklate mehr sind als ein Materialtausch

Was sich einfach anhört, ist in der Praxis anspruchsvoll. Neue Rohstoffe wie «Biowa Olive» oder “Paper-Pearls” verhalten sich im Spritzguss oft anders als klassische Kunststoffe. Sie reagieren sensibler auf Temperaturschwankungen, benötigen längere Einfahrphasen und stellen neue Anforderungen an Werkzeugbau und Konstruktion.

Testen neuer Rohstoffe
Foto: Tubenpresser aus “Paper-Pearls” in der Testphase

Vereinfacht gesagt: Beim Spritzguss wird verflüssigter Kunststoff unter hohem Druck in eine Form gepresst. Das klingt nach einem robusten Verfahren – ist es auch. Aber jedes Material verhält sich dabei etwas anders. Viskosität, Schwindung, Wärmeverteilung: All das muss neu kalibriert werden, wenn ein anderer Rohstoff zum Einsatz kommt. Was auf dem Papier funktioniert, muss sich in der Praxis zuerst beweisen.

Genau deshalb braucht der Einsatz alternativer Materialien Zeit, Erfahrung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Werkzeugbau und Produktion. Bei Silac liegen alle drei Bereiche unter einem Dach – und die Maschinenflotte ist darauf ausgelegt.

Die richtige Maschine macht den Unterschied

Die Spritzgussmaschinen von langjährigem Partner Arburg verfügen über ein spezielles Rezyklat-Paket, das die Verarbeitung anspruchsvoller Materialien erst praxistauglich macht.

Das Paket greift an drei Stellen ein: Es gleicht Schwankungen in der Materialqualität automatisch aus, analysiert den Einspritzvorgang kontinuierlich und sorgt durch gleichbleibende Formfüllung für konstante Teilequalität. Gerade bei Rezyklaten und neuen Rohstoffen – wo Chargenschwankungen keine Ausnahme, sondern die Regel sind – ist das ein entscheidender Vorteil.

Für Silac bedeutet das: Die Investition in moderne Maschinentechnik und die Arbeit mit neuen Materialien gehen Hand in Hand. Eines ohne das andere würde nicht funktionieren.

PPWR: Wenn Freiwilligkeit zur Pflicht wird

Mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung PPWR verändert sich der Rahmen für die gesamte Branche. Unternehmen werden künftig stärker verpflichtet, Recyclingmaterialien einzusetzen und Verpackungen nachhaltiger auszulegen. Was bisher oft ein freiwilliges Engagement war, wird zur regulatorischen Anforderung.

Gleichzeitig gilt: Nachhaltige Rohstoffe sind heute oft nicht günstiger oder einfacher zu verarbeiten als konventionelle Materialien. Sie erfordern mehr Entwicklungsaufwand und die Bereitschaft, neue Wege mitzugehen – auf Seiten der Produzenten ebenso wie auf Seiten der Kunden.

Vernetzung als Strategie

Für Silac ist klar: Nachhaltige Kunststofflösungen entstehen nicht im Alleingang. Sie brauchen Austausch, Partnerschaften und die Bereitschaft, gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Deshalb setzt das Unternehmen bewusst auf Zusammenarbeit mit innovativen Materialentwicklern wie Kuori oder Model und auf den Dialog mit Forschungspartnern wie der ZHAW oder Realcycle.

«Recycling und Kreislaufwirtschaft sind kein Trend. Sie sind ein wichtiger Teil der Zukunft der Kunststoffindustrie – und wir wollen dabei nicht zuschauen, sondern an vorderster Front mitgestalten.» Peter Birchler, Geschäftsleiter

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Mehr dazu:

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